Die Geschichte der Schiffergesellschaft

1229

Erstmals wird ein Grundstück mit Haus gegenüber von St. Jacobi urkundlich erwähnt. Es steht dort, wo heute die Breite Straße 2 ist.

26. Dezember 1401

Gründung der Schiffergesellschaft als Skt. Nicolaus Bruderschaft. Der Zweck der Bruderschaft wird mit den Worten: „Zu Hilfe und Trost der Lebenden und Toten und aller, die ihren ehrlichen Unterhalt in der Schifffahrt suchen.“ beschrieben.

um 1530

Die Zeit der Reformation ändert die religiöse Landschaft in Europa. Bruderschaften kämpfen um ihre Existenz und es kommt zu Zusammenschlüssen. Die St. Annen-Bruderschaft (erstm. 1495 erwähnt) und die Skt. Nicolaus Bruderschaft schließen sich zu einer Standesorganisation für Seeleute zusammen. Sie nennen sich „Schippern Selshup“.

1535

Die Schiffergesellschaft kauft das Haus und das Grundstück gegenüber von St. Jacobi für 940 Mark.

1538

Das neue Gebäude der Schiffergesellschaft wird umgebaut und Nachbargebäude werden hinzugekauft. 18 Wohnungen und die bis heute erhaltene historische Halle entstehen während dieser Arbeiten.

1614

Das Hansische Seerecht wird verabschiedet. Die Schiffergesellschaft ist zu dieser Zeit schon eine Institution für die Seefahrt, die weit über das ursprünglich beschriebene soziale Engagement hinausgeht. Schiffspässe, Schiffstaxen, Rechtsfragen, Schlichtungsaufgaben, Bewachung des Hafens, all das liegt im Verantwortungsbereich der Schiffergesellschaft. 

1866

Der Zunftzwang wird aufgehoben, die Schiffergesellschaft verliert Mitglieder und damit dringend notwendige Einnahmen. Nachdem die Schulden auf 4000 Courantmark angewachsen sind, fällt der Beschluss, Teile des Gebäudes der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und als Restaurant zu verpachten. Durch die Pachteinnahmen ist die finanzielle Zukunft der Schiffergesellschaft vorerst gesichert.

1869

Eine neue und bis heute gültige Satzung wird entworfen und verabschiedet. Sie verfügt, dass Mitglied der ‚Schiffergesellschaft‘ nur werden kann, wer das Kapitänspatent auf Großer Fahrt ( AG / A6 ) hat. Bewerber müssen nachweisen, daß sie ein Schiff führten, für dessen Führung das oben erwähnte Patent vorgeschrieben ist und in Lübeck oder Umgebung wohnen.

1933

Reichsjustizminister Franz Gürtner prägt den Begriff der Gleichschaltung und löst damit eine Welle von Enteignungen aus. Um nicht Opfer dieser Entwicklung zu werden, wird die Schiffergesellschaft gemeinnützig.

1972-76

Die Schiffergesellschaft wird umfangreich restauriert.

Heute

Die Schiffergesellschaft ist ein Verein kraft Rechtserlass. Sie wird geführt vom Vorstand des Vereins. Das Restaurant ist seit März 2015 verpachtet an die EngelHöhne oHG.

Florenz ✦ Lübeck ✦ Pisa ✦ Rom ✦ Venedig

Die fünf Herrlichkeiten des Reiches

Statue von Kaiser Karl IV. in Prag | 50°5'10"N 14°24'50"E

1375 – Kaiser Carolus, heute bekannt als Karl IV., hatte sein Reich umfassend bereist, als es ihn zum Ende der Reichstournee nach Lübeck zog, nicht jedoch ohne seine Entourage aus Bischöfen, Grafen und Herzogen und natürlich nicht ohne die Kaiserin samt eigener Entourage. 
Vor den Toren angekommen, sind Kaiser und Kaiserin aufs Pferd umgestiegen, um die Stadt zu erkunden. Es war ein Jahrhundert-Ereignis! Mönche empfingen den Kaiser am Burgtor, Gesang begleitete Sie auf dem Weg in die Stadt, vornehme Damen und Jungfern, alle in feinster Seide und reich geschmückt, säumten den Weg, die Straßen waren frisch gefegt, fast wollte man meinen, das Wetter wurde eigens für diesen Tag hergerichtet.

Dem damals 59jährigen Kaiser wurde ein pompöser Empfang bereitet, doch auch die schönste Party hat ein Ende und es kommt eine Zeit der Ruhe, die Kaiser und Kaiserin getrennt verbrachten. Nicht ganz getrennt, denn zwischen dem Travelmannschen Haus, heute Löwenapotheke, und dem Haus gegenüber auf der anderen Seite der heutigen Königsstraße, in dem der Kaiser residierte, hatte der Rat der Stadt eine hölzerne Brücke bauen lassen, die vom Fenster des Kaiserlichen Schlafgemachs zum Fenster Kaiserin Elisabeths reichte. Die Brücke war reich verziert und gut besucht. Das neugierige Volk versammelte sich allabendlich unter der Brücke, um den Besuchen Carolus’ bei seiner Kaiserin beizuwohnen.
In der Nacht, so wird berichtet, brannten während des Besuches des Kaisers so viele Lichter, dass es taghell war. Lübeck war für die Zeit des kaiserlichen Besuchs zum Sommernachtstraum geworden.

Auch für den Kaiser muss diese Zeit eine ganz besondere gewesen sein. Seine Dankesworte waren reich geschmückt, als er vor den Rat der Stadt trat um sich für den Empfang zu bedanken. Er sprach den Rat mit „Herren“ an, damals eine ganz besondere Ehre, zuviel der Ehre für den Bürgermeister Pleskow, der den Kaiser bat, ihn als Untertanen zu behandeln. Der Kaiser sagte darauf: „Die alten Verzeichnisse Unserer Tresekammer, von Unseren in Gott ruhenden Vorfahren her, weisen auf, daß diese Stadt eine von den fünf Herrenstädten des Reichs ist, und daß ihre Rathspersonen zu den Schöffen und Räthen des Kaisers gehören, die zu Ihm eingehen mögen, wann es ihnen gefällig; wie auch Eure Vorfahren gepflegt haben.“

Diese ehrenvolle Auszeichnung nennt Lübeck in einem Atemzug mit Florenz, Rom, Venedig, und Pisa – Städten, die für ihre Schönheit und Tradition berühmt sind.

Nur 26 Jahre vor Gründung der Schiffergesellschaft hatte unser wunderschönes Lübeck durch seine Qualitäten das Ansehen und Wohlwollen seines Kaisers gewonnen. Qualitäten, die sich Lübeck bis in die Gegenwart bewahrt hat.

Zu Zeiten Kaiser Karls IV, war Lübeck mit 30-tausend Einwohnern die zweitgrößte Stadt im Deutschen Raum. An Größe ist Lübeck überholt worden, die Schönheit haben wir uns bewahrt. Im Geist wie in der Architektur.