Florenz ✦ Lübeck ✦ Pisa ✦ Rom ✦ Venedig

Die fünf Herrlichkeiten des Reiches

Statue von Kaiser Karl IV. in Prag | 50°5'10"N 14°24'50"E

1375 – Kaiser Carolus, heute bekannt als Karl IV., hatte sein Reich umfassend bereist, als es ihn zum Ende der Reichstournee nach Lübeck zog, nicht jedoch ohne seine Entourage aus Bischöfen, Grafen und Herzogen und natürlich nicht ohne die Kaiserin samt eigener Entourage. 
Vor den Toren angekommen, sind Kaiser und Kaiserin aufs Pferd umgestiegen, um die Stadt zu erkunden. Es war ein Jahrhundert-Ereignis! Mönche empfingen den Kaiser am Burgtor, Gesang begleitete Sie auf dem Weg in die Stadt, vornehme Damen und Jungfern, alle in feinster Seide und reich geschmückt, säumten den Weg, die Straßen waren frisch gefegt, fast wollte man meinen, das Wetter wurde eigens für diesen Tag hergerichtet.

Dem damals 59jährigen Kaiser wurde ein pompöser Empfang bereitet, doch auch die schönste Party hat ein Ende und es kommt eine Zeit der Ruhe, die Kaiser und Kaiserin getrennt verbrachten. Nicht ganz getrennt, denn zwischen dem Travelmannschen Haus, heute Löwenapotheke, und dem Haus gegenüber auf der anderen Seite der heutigen Königsstraße, in dem der Kaiser residierte, hatte der Rat der Stadt eine hölzerne Brücke bauen lassen, die vom Fenster des Kaiserlichen Schlafgemachs zum Fenster Kaiserin Elisabeths reichte. Die Brücke war reich verziert und gut besucht. Das neugierige Volk versammelte sich allabendlich unter der Brücke, um den Besuchen Carolus’ bei seiner Kaiserin beizuwohnen.
In der Nacht, so wird berichtet, brannten während des Besuches des Kaisers so viele Lichter, dass es taghell war. Lübeck war für die Zeit des kaiserlichen Besuchs zum Sommernachtstraum geworden.

Auch für den Kaiser muss diese Zeit eine ganz besondere gewesen sein. Seine Dankesworte waren reich geschmückt, als er vor den Rat der Stadt trat um sich für den Empfang zu bedanken. Er sprach den Rat mit „Herren“ an, damals eine ganz besondere Ehre, zuviel der Ehre für den Bürgermeister Pleskow, der den Kaiser bat, ihn als Untertanen zu behandeln. Der Kaiser sagte darauf: „Die alten Verzeichnisse Unserer Tresekammer, von Unseren in Gott ruhenden Vorfahren her, weisen auf, daß diese Stadt eine von den fünf Herrenstädten des Reichs ist, und daß ihre Rathspersonen zu den Schöffen und Räthen des Kaisers gehören, die zu Ihm eingehen mögen, wann es ihnen gefällig; wie auch Eure Vorfahren gepflegt haben.“

Diese ehrenvolle Auszeichnung nennt Lübeck in einem Atemzug mit Florenz, Rom, Venedig, und Pisa – Städten, die für ihre Schönheit und Tradition berühmt sind.

Nur 26 Jahre vor Gründung der Schiffergesellschaft hatte unser wunderschönes Lübeck durch seine Qualitäten das Ansehen und Wohlwollen seines Kaisers gewonnen. Qualitäten, die sich Lübeck bis in die Gegenwart bewahrt hat.

Zu Zeiten Kaiser Karls IV, war Lübeck mit 30-tausend Einwohnern die zweitgrößte Stadt im Deutschen Raum. An Größe ist Lübeck überholt worden, die Schönheit haben wir uns bewahrt. Im Geist wie in der Architektur.